Vorabberichte über den IBM PC

Dieser Artikel beschreibt Ereignisse, die am 8. Juni 1981 stattfanden.

IBM hat es erstaunlich lange geschafft, ihren großen Eintritt in den Heimcomputermarkt aus der öffentlichen Gerüchteküche fernzuhalten. Die früheste Erwähnung des künftigen IBM Model 5150 Personal Computers, die ich in der Presse finden konnte, findet sich in der Ausgabe vom 8. Juni 1981 des zweiwöchentlich erscheinenden Magazins InfoWorld1 (danke an Jimmy Maher für den Hinweis2), nur wenig mehr als zwei Monate vor der öffentlichen Ankündigung am 12. August. Das ist umso erstaunlicher wenn man bedenkt, mit wie vielen anderen Firmen IBM zusammenarbeitete um die neue Maschine zusammenzustellen. Die berüchtigten Geheimhaltungsvereinbarungen IBMs, welche einigen Firmen, wie Digital Research, solche Kopfschmerzen bereiteten, hatten offensichtlich ihren Zweck erfüllt.

Umschlag der InfoWorld vom 8. Juni 1981

Umschlag der InfoWorld vom 8. Juni 1981

Die “zuverlässige interne Quelle” bei IBM hat InfoWorld mit zahlreichen, präzisen technischen Details zur neuen Maschine versorgt. Die Spezifikationen waren überzeugend, aber nicht überwältigend – ganz unabhängig von den Qualitäten des Computers selbst war die weitaus größere Neuigkeit, dass IBM überhaupt vorhatte in den Markt der Heimcomputer einzusteigen, einer Branche die zu diesem Zeitpunkt von Apple, Commodore und Tandy dominiert wurde. Mit über 350'000 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 29 Milliarden Dollar im Jahr 19813 war IBM da ein ganz anderes Kaliber. Die Gefühle schwankten zwischen Freude über die Glaubwürdigkeit, welche die Präsenz von IBM dem noch jungen Feld verleihen würde, und Sorge darum, was eine finanziell so übermächtige Firma für den Rest der Branche bedeuten könnte. Ein deutlicher Hinweis auf diese Bedenken ist die Überschrift, die InfoWorld ihrem Beitrag verpasste: “IBM to Pounce on Micro Market” – eine Formulierung, die IBMs Ankunft im Mikrocomputer-Markt übersetzt irgendwo zwischen “darauf stürzen” und “darüber herfallen” einordnet. Nicht eine Wortwahl die auf Zweifel darüber hindeutet, ob dies Spuren hinterlassen würde.

Zu dieser Zeit hat IBM immer noch versucht, die Sache geheim zu halten. InfoWorld hatte wenig Erfolg als sie versuchten, über offizielle Kanäle mehr von IBM zu erfahren. Die Antwort eines ihrer Kontakte:

To my knowledge we’re not introducing any such product. Furthermore, we don’t comment on speculation.

“Meines Wissens führen wir kein derartiges Produkt ein. Außerdem kommentieren wir keine Gerüchte.”

InfoWorld zeigte sich unbeeindruckt und beschloss den Artikel:

InfoWorld will have a full report on this bit of “speculation” after its introduction in New York in July.

"InfoWorld wird einen ausführlichen Bericht über dieses “Gerücht” publizieren nachdem es diesen Juli in New York vorgestellt wurde."

Umschlag des Magazins BYTE im Juli 1981

Umschlag des Magazins BYTE im Juli 1981

Eine andere Vorankündigung erschien als Leitartikel in der Ausgabe vom Juli 1981 des Magazins BYTE4. Chefredakteur Chris Morgan verdeutlichte, welchen Einfluss auf die Geschichte der Heimcomputer er von der Neuheit erwartete. Während es auch Gerüchte um Markteintritte von anderen Großunternehmen wie DEC und General Electric gab, war es seiner Meinung nach keine Frage: alles dreht sich um IBM. Es gibt wohl keine besseren Worte als die von Morgan um uns verstehen zu helfen, welche Wichtigkeit Branchenkenner dem kommenden Ereignis zuschrieben:

IBM’s new personal computer […] is far and away the media star, not because of its features, but because it exists at all.

“IBMs neuer Personal Computer […] ist mit Abstand der Star der Medien, nicht wegen seiner Merkmale, sondern weil er überhaupt existiert.”

Heimcomputer waren nicht neu, sie waren seit einigen Jahren für eine breite Masse zugänglich und erschwinglich. Es war aber immer noch hauptsächlich eine Welt der Hacker und Bastler, versorgt und vorangebracht von zahlreichen Startups, selbst oft von Hackern und Bastlern gegründet und geführt. Erfahrene Geschäftsleute waren eine Seltenheit. Auf der anderen Seite hatten elektronische Computer längst die Büros erobert, aber diese Rechner waren gemeinhin teure, sperrigere Geräte von “seriösen” Herstellern – wie eben IBM. Was sich am Horizont nun abzeichnete war ein Aufeinandertreffen und eine Verschmelzung dieser beiden Welten. Dieselbe Firma, welche das Mainframe-Geschäft beherrschte, mit Computern die gerne Millionen kosteten und die ihre Endanwender oft nicht einmal zu Gesicht bekamen, sollte bald auch einen Computer herstellen welcher selbst Einmannbetriebe, Schulzimmer und das Zuhause erreichen würde. Morgan meinte dazu:

The influence of a personal computer made by a company whose name has literally come to mean “computer” to most of the world is hard to contemplate.

“Der Einfluss eines Personal Computers von der Firma, deren Name für viele zu einem Synonym für “Computer” geworden ist, ist schwer abzuschätzen.”

Im Artikel findet man auch eine Erwähnung des Betriebssystems, das IBM denjenigen Kunden anbieten würde, die sich für ein Diskettenlaufwerk entscheiden: IBM Personal Computer DOS. Die Tatsache, dass dieses DOS von einem Anbieter von Programmierwerkzeugen namens Microsoft zur Verfügung gestellt wurde, war scheinbar noch nicht öffentlich bekannt geworden. Da die Eingabeaufforderung dieses PC-DOS der Punkt war, an dem die Reise vieler neuer Besitzer eines IBM PC begonnen hat, werde ich mich damit als Nächstes befassen.

Quellen: Wikipedia, The Digital Antiquarian, IBM Archives


  1. InfoWorld Vol. 3 No. 11 (8. Juni 1981), S. 1 und 43:
    https://books.google.ch/books?id=zD0EAAAAMBAJ&lpg=PP1&pg=PA1#v=twopage&q&f=false ↩︎

  2. The Digital Antiquarian: The IBM PC, Part 3:
    https://www.filfre.net/2012/05/the-ibm-pc-part-3/ ↩︎

  3. IBM Archives: The History of IBM – 1981:
    https://www.ibm.com/ibm/history/history/year_1981.html ↩︎

  4. BYTE Magazine Vol. 6 No. 7 (Juli 1981), S. 6 und 10:
    https://archive.org/details/byte-magazine-1981-07/page/n7/mode/2up ↩︎